Die Geschichte einer Ausstellung


Es fing damit an, dass am 27. Juli 2007 ein neues Geschäft im Hundertwasserhaus "Grüne Zitadelle" in Magdeburg eröffnet wurde.
Dieses neue Geschäft mit Namen "Narvik" verkaufte ausschließlich Kleidung der Marke "Thor Steinar". Diese Marke wird in der rechtsextremen Szene viel getragen, bedient sich völkischer Symbolik mit NS-Bezug.
(Lexikon von Netz gegen Nazis)

Bild


Da das Hundertwasserhaus im Besitz der Gero AG, einer Tochtergesellschaft des Bistums Magdeburg, war, waren von Anfang an auch die Kirchen gefragt.

Wie es begann

An einem Montagabend trafen wir uns in einer Magdeburger Wohnung. Gemeinsam war uns der Wunsch, einen öffentlichen Protest gegen das "Narvik" zu organisieren. Die meisten von uns begegneten sich hier zum ersten Mal. Dabei entwickelten wir die Idee, im Hundertwasserhaus eine leerstehende Ladenfläche für eine Ausstellung zu nutzen, mit den Aspekten: Aufklärung über rechte Symbolik, Platz für Protest, Information und Gespräch.

Dann ging es schnell: Es wurden Informationsmaterialien zusammengestellt, Texte formuliert, Informationen verschickt und für den Ausstellungsraum die banalen aber lebenswichtigen Dinge wie Kaffeemaschine, Kühlschrank, Licht, Stühle und Tische organisiert. Bereits am Mittwoch morgen wurde nach einer Protestkundgebung mit ca. 150 Teilnehmenden unser Ausstellungsladen eröffnet.

Bild Ausstellung innen


Inhaltlich knüpfte die Ausstellung an die Kampagne "H!ngucken. Für ein demokratisches und tolerantes Sachsen-Anhalt" der Landesregierung an. Doch sie wollte weiter führen: Neben dem Hingucken, dem Wahrnehmen, was geschieht, wollen wir das Denken - die Beurteilung dessen, was man wahrnimmt - und dann das Einmischen in die demokratische Auseinandersetzung, in das politische Geschehen fördern.

Die Ausstellung war ein sichtbares und längerfristiges Zeichen des Protestes am Ort des Geschehens Sie klärte über die Hintergründe der im "Narvik" verkauften "Thor Steinar"-Kleidung auf undinformierte über rechtsextreme Symbolik und Strategie. Die Ausstellung bot Raum für Diskussionen über Rechtsextremismus und Strategien gegen ihn und gab den zahlreichen und unterschiedlichen Protesten ein Forum. Die Ausstellung bot Platz für unterschiedliche Informationsmaterialien über Initiativen, Projekte, Aufklärung über Möglichkeiten des Engagements gegen Rechtsextremismus und für Zivilcourage. Die Eröffnung des "Narvik" war zwar der Anlass, die Ausstellung einzurichten, aber die Ziele waren bewusst weiter gesteckt und sollten über den aktuellen Skandal hinausreichen.

Bild 2 Ausstellung innen


Das katholische Bistum unterstützte unsere Arbeit nicht nur finanziell. Allerdings erreichten die Kosten durch die große Nachfrage an Informationsmaterialien irgendwann Dimensionen, für die wir weitere Sponsoren gesucht und gefunden haben. Die Bandbreite derjenigen, die sich in der Ausstellungsbegleitung engagierten und Zeit dafür investierten, war enorm: Studierende, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Bildungsarbeit, aus Kirchen und Gemeinden, aus Parteien, Gewerkschaften oder Schulen, Menschen, die sich schon jahrelang gegen Rechtsextremismus engagieren, und solche, die dies mit dem Hundertwasserhaus zum ersten Mal taten. Insgesamt waren es über 70 Personen. Ohne sie hätte das alles gar nicht funktioniert.

Nach dreieinhalb Monaten und ca 5.000 Besucher|innen beschlossen wir die Ausstellung im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade am Buß- und Bettag 2007. Mit Bischof Dr. Feige und Superintendent Seils feierten wir im Dom den Gottesdienst, zogen von dort mit brennenden Kerzen in den Innenhof des Hundertwasserhauses und wieder zurück zum Dom. Die Kerzen wurden vor dem Dom zu einem Ausrufungszeichen zusammengestellt. Daran schloss sich im Dom das "Konzert gegen die Gleichgültigkeit" mit Gerhard Schöne an.


Die Jugendseelsorge des Bistums Magdeburg hat unsere Ausstellung zu einer Wanderausstellung aufgearbeitet.
Wer sie ausleihen möchte, kann dies hier anfragen: